Ruairí O’Brien

Ruairí O’Brien
ist Architekt und Künstler, Professor für Architektur und Gestaltungslehre an der German University in Kairo.

O’Brien wuchs dort auf, wo James Joyces „Ulysses“ an der „snot green sea“ (rotzgrüne See) beginnt.

Dem Ruf ins selbstgewählte Exil folgend, der viele Inselbewohner erreicht, studierte er Architektur in London, Edinburgh und New York. Auf der Suche nach dem Zeitgeist, den die deutsche Wiedervereinigung weckte, besuchte O’Brien 1991 die Stadt Dresden und beschloss, dort, an den Ufern der Elbe, seine Zelte aufzuschlagen. Ein halbes Leben später ist er immer noch in der Elbmetropole ansässig, allerdings – unnötig zu erwähnen – nicht mehr in einem Zelt. 

Über seine Herkunft sagt er: 

„In der Dubliner Gesellschaft, in der ich aufwuchs, waren die Literatur, Poesie, Zeitungen und das Geschichtenerzählen ständige Begleiter des alltäglichen Miteinanders. Durch eine Stadt zu gehen, in der so viele Schriftsteller gelebt haben, die in so vielen Erzählungen eine Rolle spielt, brachte es mit sich, dass Literatur, Gebäude und Stadtraum in meiner Wahrnehmung verschmolzen. Das hat meine Vorstellung von Architektur als Bühne menschlichen Lebens in seiner Tragik und Komik, als Gedächtnisspeicher für kommende Generationen und sogar als räumliche, materielle Poesie geprägt.“

O’Brien hat neben seiner Arbeit als Hochbauarchitekt und Lichtdesigner zahlreiche interdisziplinäre Kunst- und Erinnerungskultur-Projekte umgesetzt, in

denen er literarischen und geschichtlichen Sujets eine räumliche Gestalt  gegeben hat, darunter das mobile interaktive micromuseum für Erich Kästner, die Gedächtniswand „Slaughterhouse Five“ für Kurt Vonnegut, die „ROBOT“-Ausstellung für die Brüder Karel und Josef Čapek und die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain. Kommunizieren durch Licht ist ein weiteres zentrales Arbeitsfeld für Ruairí O’Brien. Sein Genre „Lichtpoesie“, das er Mitte der Nullerjahre im Rahmen des Poesiefestivals BARDINALE mit einer Performance im Kleinen Haus zu Italo Calvinos „Le città invisibili“ begonnen hat, entwickelt er in Zusammenarbeit mit Dichtern und Musikern – zuletzt mit Günter Heinz und Juan Carlos Valle im Deutschen Hygienemuseum – weiter.