Meetingpoint Music Messiaen Görlitz / Zgorzelec
Europäisches Zentrum für Bildung und Kultur – Meetingpoint Music Messiaen, Görlitz/Zgorzelec, Polen
1. Preis im Wettbewerb für das architektonisch-städtebauliche Konzept, 2009
Auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VIIIa vollendete Olivier Messiaen während seiner Gefangenschaft das Quatuor pour la fin du temps, das am 15. Januar 1941 im Lager uraufgeführt wurde und heute zu den bedeutendsten Kammermusikwerken des 20. Jahrhunderts zählt. An diesem historischen Ort sollte mit dem Meetingpoint Music Messiaen ein europäisches Zentrum des Gedenkens, der Bildung und der Kultur entstehen.
Ruairí O’Briens Siegerentwurf verbindet die Erinnerung an die Geschichte des Ortes mit gegenwärtigem kreativem Handeln und schafft Raum für Begegnung, Austausch und Reflexion.
Das Konzept gliedert sich in zwei Bereiche: die „Insel des Gedenkens“ und die „Insel der Hoffnung“. Beide stehen für eine Bewegung von der Vergangenheit in die Gegenwart und weiter in die Zukunft. Großzügige, runde Formen prägen Architektur und Landschaft und bilden einen bewussten Gegenpol zum raster- und zweckorientierten Denken des nationalistischen Systems.
Auf der „Insel des Gedenkens“ stehen zwei zylindrische Baukörper. Schon von der Straße aus wirken sie wie ein räumliches Ausrufezeichen: fremd und zugleich einladend, zeitlos und ruhig. Der kleinere Zylinder nimmt die dienenden Funktionen der Gedenkstätte auf — mit Eingang zur Dauerausstellung, Café, Garderobe, Seminarräumen, Bibliothek, Vortragssaal und Archiv.
Über einen verglasten Steg gelangt man in den zweiten Zylinder, den Leerraum des Gedenkens. Licht fällt von oben in den Raum, der Blick richtet sich auf das Wasser im Boden und weiter hinauf zum offenen Glasdach, über dem nur Himmel sichtbar ist. Kästen und Säulen erzählen die Geschichte des Ortes. Zu besonderen Anlässen wird der stille Raum zum Resonanzraum für Musik, Erinnerung und Gegenwart.
Die „Insel der Hoffnung“ ergänzt diesen Ort als Begegnungs-, Kommunikations- und Bildungsraum. Die Maison Olivier Messiaen bietet Raum für Kreativität, Rückzug und Geborgenheit; der Theaterbau ist für Veranstaltungen, Theater, Kino und Konzerte vorgesehen.
O’Briens Entwurf schafft ein Ensemble, das Erinnerung nicht als abgeschlossenen Zustand versteht, sondern als lebendigen Prozess: Geschichte wird bewahrt, befragt und durch kulturelles Handeln in die Zukunft weitergetragen.
Leistungen: HOAI LP 1–3, Grundlagenermittlung, Vorentwurf, Entwurf, 2009–2012
Auslober und Auftraggeber: Meetingpoint Music Messiaen e.V., Görlitz
Bauherr: Fundacja Centrum Wspierania Przedsiębiorczości w Zgorzelec



